Städte atmen auf!

Restriktive Maßnahmen zur Eindämmung der Luftverschmutzung

Die jahrzehntelange Luftbelastung mit Schadstoffen aus Verkehr, Industrie und Heizen in der Vergangenheit hat zu einer strengen Korrelation zwischen Luftverschmutzung und COVID-19 geführt.1

Eindämmung der Virusinfektionskrankheit COVID-19

Wie National Geographic in einer im Mai 2020 veröffentlichten Studie belegt, konnten Europäische Nationen die Ausbreitung der Virusinfektionskrankheit in mehreren Stufen wirksam eindämmen. 2

Als besonders wirksam erwiesen sich neben dem Verbot von Großveranstaltungen die mit Ausnahme von Schweden überall durchgeführten Lockdown – Maßnahmen. Google – Mobilitätsreports zeigten eine Abnahme der Mobilität, beispielsweise an Bahnstationen um 20-30% in Schweden und sogar 80% in Frankreich.3 In Deutschland wurden vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) dramatisch gesunkene Passagierzahlen registriert. Der Bund Deutscher Omnibusunternehmen (BDO) versandte Brandbriefe, in denen er auf die existenzbedrohende Lage der privaten Busunternehmen hinwies.

Verbesserung der Luftqualität

Die Luftqualität in Europa verbesserte sich im Gegenzug zur reduzierten Mobilität gravierend.4 Zuvor konnte man das bereits in der chinesischen Provinz Wuhan feststellen, in der eine landesweite Ausgangssperre verordnet worden war.5

Auf die besondere Bedeutung der Luftverschmutzung für die Gesundheit der Menschen weist in Europa die Europäische Allianz für öffentliche Gesundheit (EPHA) hin. Der in Brüssel ansässigen Non-Profit Organisation European Public Health Alliance (EPHA) gehören 89 Mitgliedsorganisationen in 21 Europäischen Ländern an.6 Unter Hinweis auf die EPHA wirbt der Verkehrsclub Österreich VCÖ in einer aufschlussreichen Pressemitteilung für Österreich um verstärkte Maßnahmen für mehr saubere Mobilität.7 Damit sollen gesundheitsschädliche Verkehrsemissionen langfristig reduziert werden und die gute Luftqualität auf einem höherem Mobilitätsniveau erhalten bleiben.

Die gemessene NO2 – Belastung in den Städten Wien, Salzburg und Linz, jeweils vom 5.-25. März in den Jahren 2019 und 2020 zeigt beispielsweise für das Land Salzburg eine Reduktion der NO2-Belastung um 40 Prozent.8 Ein höheres Infektionsrisiko als Folge von Luftverunreinigungen sei nach dem Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität Wien „nachgewiesen und biologisch plausibel“.

Geforderte Maßnahmen

  1. Öffentlicher Verkehr als Rückgrat der Mobilität für alle Gemeinden in allen Regionen und
  2. Rascher Umstieg auf schadstoffarme Fahrzeuge

An welchen Orten ist die Dringlichkeit einer solchen Maßnahmen besonders hoch? Hier liefert ein White Paper der Autoren David W. Miller und PH.D. Ami L. Alderman einen interessanten Überblick über aktuelle Forschungsresultate in den USA.9 Die Besonderheit dieser Arbeit liegt in dem breiten Ansatz der Betrachtung. Es wird die mittlerweile sehr bekannte Studie der T.H. Chan School of Public Health zitiert, die einen quantitativen Zusammenhang zwischen der Sterblichkeit bei von COVID-19 betroffenen Menschen und einer hohen Feinstaubbelastung herausgefunden hat. Weitere Studien werden aufgelistet, welche beschreiben, wie durch COVID-19 in ihrer Leistung eingeschränkte Lungenfunktionen zu Folgeschäden an Nieren, Leber, Herz, Gehirn und anderen Organen führen können. Selbst nach der Genesung ist es möglich, dass die Lungenfunktion um 20-30% eingeschränkt bleibt. Es werden Zahlen vorgestellt, nach denen die durchschnittliche Sterblichkeit an COVID-19 stark von der Dichtheit der Besiedelung abhängt, aber auch von der grundsätzlichen Fähigkeit der Menschen, Social Distancing wahren zu können. Weltweit ist die COVID-19 Sterblichkeit in dichtbevölkerten Stadtzentren am höchsten. Allerdings beeinflussen auch die Vermögensverhältnisse der Menschen strukturell die Fähigkeiten, sicher arbeiten und leben zu können.

Covid 19 Todesfälle

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an COVID-19 White Paper: The Global Impact and a Proactive
Approach for Global Vehicle Emissions Programs von David W. Miller & Ami L. Alderman, Ph.D.

Dichtbesiedelte Regionen sind besonders von COVID-19 und Co. betroffen

Das White Paper deckt wichtige wirtschaftliche Zusammenhänge auf. So sind augenscheinlich Zentren besonders von COVID-19 betroffen, die wirtschaftlich für die jeweiligen Länder besonders wichtig sind. Nicht nur durch die direkten negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise auf Kaufkraft und Produktionsfähigkeit der Autohersteller altern die Fahrzeugflotten. Auch die reduzierten Preise für Kraftstoffe wirken hier schädlich, in dem sie die weitere Nutzung eines hochemittierenden Fahrzeugs wirtschaftlicher machen.

Um so wichtiger ist es die im White Paper vorgebrachte Forderung an die Politik, die korrekte Funktion der Fahrzeuge und vor allem ihrer Abgassysteme weltweit den Fokus zu stellen. An dieser Stelle sei ergänzt: Auch die Möglichkeit, moderne Abgassysteme nachzurüsten sollte gefördert und für Busse in Innenstädten verpflichtend werden. Während in Europa bereits zahlreiche Low Emission Zones entstanden sind, empfiehlt das White Paper für dicht besiedelte Zonen weltweit, höhere Emissionsstandards zu setzen.

Reichen die aktuellen Maßnahmen aus?

Welchen Einfluss hat der Feinstaub?

Luft ist immer in Bewegung und hin und wieder kommt es sogar zu Stürmen. Die Vogelgrippe konnte nachweislich durch Stürme über weite Strecken übertragen werden.9 Atmosphärische Feinstaubpartikel sind seit vielen Jahren als Träger vieler chemischer und biologischer Schadstoffe, einschließlich Viren, bekannt. Auch die Anzahl von Masernfällen in 21 chinesischen Städten variierte in Bezug auf die PM2,5-Konzentrationen.10 Gianluigi de Gennaro von der Universität Bari bringt es in dem treffenden Ausdruck auf den Punkt: „Je mehr Feinstaub-Partikel es gibt, desto mehr Autobahnen werden für die Ansteckung (mit Viren) geschaffen. Es ist notwendig, die (Partikel-) Emissionen auf ein Minimum zu reduzieren, in der Hoffnung auf eine günstige Meteorologie.“11

Feinstaub-Partikel transportieren Viren

Feinstaub-Partikel haben nach Einschätzung der italienischen Forscher eine Substratfunktion, welche es dem Virus ermöglicht, über Stunden oder sogar Tage lebensfähig in der Luft zu bleiben. Die Rate, wie viele Viren in diesen Partikeln inaktiv werden, hänge dabei maßgeblich von den Umgebungsbedingungen ab: Während sich ein Anstieg der Temperatur und der Sonneneinstrahlung positiv auf die Virus-Inaktivierungsrate auswirken würde, könne eine hohe relative Luftfeuchtigkeit die Ausbreitungsrate des Virus fördern. Auch wenn über das Ansteckungsrisiko als Folge der Anwesenheit von Viren auf Aerosolen und Partikeln nach einem fundierten Artikel von Autor Mathias Tertilt noch nicht abschließend geurteilt werden könne, so trat der Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung durch Feinstaub und der Ausbreitung von Viren im Februar in der Po-Ebene augenscheinlich doch in Erscheinung.12 13

Nach Aussagen von Leonardo Setti von der Universität Bologna bewirkten die besonders in der Lombardei und der Emilia Romagna festgestellten hohen Staubkonzentrationen eine „Beschleunigung der Ausbreitung“ von Covid-19.11 Die beiden Regionen sind gleichzeitig auch jene mit der höchsten Luftverschmutzung in Italien.13

Analog erlebte die chinesische Region Hubei eine sechsmal höhere Sterblichkeitsrate als die übrigen chinesischen Provinzen, was sehr auffällig war.12

Immer mehr Studien bestätigen mittlerweile die Richtigkeit der Thesen der italienischen Wissenschaftler. Und Dirk Wintermeyer vom Deutschen Umweltbundesamt bekannte sich kürzlich ebenfalls zur Aussage: „Luftverschmutzung ist für Covid-19 nicht irrelevant“.13

Wie entwickelt sich die Situation weiter?

Wohin das Thema noch führen könnte, dazu gibt Allesandro Miani, Präsident der Gesellschaft für Umweltmedizin Sima eine Einschätzung ab. Er empfiehlt sogar, die Fenster mehrmals am Tag für ein paar Minuten zu öffnen, weil das Mischen von Gas den Prozentsatz der Verschmutzung reduziert. Auch Luftreiniger können entscheidend helfen. Gerade in engen Nachbarschaftsstraßen könne vorhandener Feinstaub ein Multiplikator der Infektion sein und die Ansteckungsgefahr erhöhen.11

Notwendigkeit von sauberer Luft und saubereren Abgassystemen

Zusammenfassend sollte man daher eine positive Folge von COVID-19 herausheben: Die Dringlichkeit, mehr für saubere Luft und damit auch saubere Abgassysteme zu tun, ist durch die konzentrierte Arbeit zahlreicher Wissenschaftler weltweit massiv gestiegen. Mit vielen weiteren Erkenntnissen ist noch zu rechnen, weswegen dieser Artikel keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit erheben will und kann.

Städte atmen auf durch saubere Busse
Städte atmen auf durch saubere Kommunalfahrzeuge
Städte atmen auf durch saubere Baumaschinen

Luftreinigung mit PURItech

Das Leitmotiv von PURItech lautet Kompetenz in Luftreinigung. PURItech wird seine Anstrengungen weiter intensivieren, und einen Beitrag zur nachhaltigen und schnellen Verbesserung der Luft zu leisten.

Quellverweise:

  1. https://www.nationalgeographic.com/science/2020/05/coronavirus-how-to-measure-your-nation-response-cvd/
  2. https://www.linkedin.com/posts/jsundqvist_covid19-activity-6662832149118361600-YOhm
  3. https://epha.org/air-pollution-clears-in-cities-globally-maps
  4. https://www.scinexx.de/news/geowissen/coronavirus-effekt-auf-wirtschaft-aus-der-luft-sichtbar/
  5. https://en.wikipedia.org/wiki/European_Public_Health_Alliance
  6. https://www.vcoe.at/presse/presseaussendungen/detail/satellitenbilder-zeigen-starke-abnahme-der-luftverschmutzung-in-oesterreich-6107
  7. https://drive.google.com/drive/folders/
  8. https://www.academia.edu/42912987/COVID-19_White_Paper_The_Global_Impact_and_a_Proactive_Approach_for_Global_Vehicle_Emissions_Programs
  9. Chen G., et al., 2017 “Is short-term exposure to ambient fine particles associated with measles incidence in China? A multi-city study.” Environmental Research 156, 306-311
  10. Chen P-S., et al., 2010 “Ambient Influenza and Avian Influenza Virus during Dust Storm Days and Background Days” Environmental Health Perspectives, 118, 9
  11. https://www.air-q.com/blog/coronavirus-feinstaub-beschleunigte-ausbreitung-in-norditalien
  12. https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/ist-feinstaub-schuld-an-den-vielen-todesfaellen-in-italien/
  13. https://www.spektrum.de/news/warum-luftverschmutzung-covid-19-toedlicher-macht/1725948?utm_source=pocket-newtab